Ich hab „nur“ etwa zwei Jahre gebraucht, um rauszufinden, dass meine „neue“ Kamera auch Video kann
Ok, mein erster eigener Film vom Stadtteilfest in Koyocho ist gerade mal vier Sekunden lang, aber ich werde weiter üben, um euch in Zukunft auch als „TV-Korrespondentin“ von meinen Abenteuern zu berichten.
P.S. Schade übrigens, dass der Bier-Schnelltrink-Wettbewerb bei obigem Fest schneller beendet war, als ich meine Kamera zücken konnte. Eigentlich sollte das nämlich mein Erstlingswerk werden…
Mein Kollege – Herr Sugiyama – hat ein Hobby: er züchtet Gurken in seinem kleinen Gurken-Gemüsegarten auf dem Firmenparkplatz. Oder sollte ich sagen, er geht einer wissenschaftlichen Nebentätigkeit nach und erforscht Gurken in seinem eigens eingerichteten Gurkenlabor. Jedes heranwachsende Gurkenbaby wird liebevoll und fein-säuberlich in Plastikfolie eingepackt und alle relevanten Daten seines Heranwachsens – von der ersten Knospe bis zur „Geburt“ – dokumentiert.
Heute bin ich übrigens auch stolze Mama einer kleinen Gurke geworden: Gurki, geboren am 9.7.2009, war bei seiner Geburt 27 cm groß und 200 g schwer (alles dokumentiert!). Damit ist er übrigens doppelt so groß und schwer, wie die Proleten-Gurken-Kinder aus dem Supermarkt.
Leider wird Gurki wahrscheinlich morgen schon wieder „sterben“ müssen, um in Form von Gurkensalat auf meinen Teller zu landen
Na, wer von euch hat früher gerne Kaufladen gespielt? Für den gibt’s hier „Kaufladen in echt“ – die neuen Selbstbedienungskassen im Supermarkt
Aber Achtung: wenn die Kapitalisten und Neoliberalisten unter euch jetzt meinen „Super, dann kann man ja die Kassiererinnen wegrationalisieren und einen Haufen Yen sparen“, dann lasst euch gesagt sein: Nein, das geht natürlich nicht. Die werden selbstverständlich an den Nicht-Selbstbedienungskassen und zur Beaufsichtigung der Selbstbedienungskassen gebraucht. Und außerdem, was sollen denn die ganzen Ex-Büroblumen machen, wenn sie ihr Job-Ziel (= Ehemann-Suche und Heirat) erreicht haben, die Kinder irgendwann aus dem gröbsten raus sind und sie mittlerweile festgestellt haben, das ihr Ehemann viel mehr Zeit mit seiner „Affäre“ (= der Firma) verbringt? Das bisschen Haushalt übernehmen die elektronischen Helfer, und immer nur selbst shoppen ist ja auch langweilig. Da ist man schon froh um den Kassiererinnen-Minijob…
Kistenweise frisches Gemüse geerntet, aber was macht man damit? Hmmm… zum Beispiel: vor’s Haus stellen, eine Sparbüchse daneben und ein Schild „Frisches Gemüse 100 Yen“ davor aufgestellt. Und einer dieser kleinen Gemüsemärkte liegt auch noch mitten auf meinem Weg zwischen zu Hause und Firma.
Ach ja, und wenn der „Marktstand meines Vertrauens“ grade mal geschlossen hat, hat möglicherweise einer meiner Kollegen in seinem Garten Kartoffeln, Möhren oder Sojabohnen geerntet. Da krieg ich dann schonmal eine Mail von meiner Chefin, die in etwa so lautet „Der XY aus der ABC-Abteilung hat frisch geerntete Kartoffeln mitgebracht. Ich stell’ sie euch vor euren Spind, nehmt sie euch heute abend mit“ oder am Eingang steht auf einmal ein riesiger Karton Sojabohnen mit einem Schild davor „Mit den besten Grüßen von YZ. Bedient euch!“.
Jetzt ist er wohl da, der Sommer. Die diesjährige Taifun-Zeitrechnung hat letzte Woche mit Taifun Nr. 1 begonnen. Der ist zwar noch nicht so nah ans Festland rangekommen, weil ja noch nicht Taifun-Hauptsaison ist, hat aber trotzdem tagelang prallgefüllte Regenwolken in Richtung Festland geblasen, die sich dann über uns mal so richtig ausgeheult haben. Freitag abend – rechtzeitig zum Feierabend – waren die Regentränen aber getrocknet und am Wochenende lachte dann wieder die Sonne über uns. Also, ein gutes Buch und den Ipod eingepackt und auf in den Park zum in der Sonne faulenzen…
Eine weitere „Sommer-Premiere“ brachte dann der heutige Montag: meine dezente „Nicht-mehr-ganz-so-winterblasse-erste-Frühsommerbräune“ ist meiner Kollegin natürlich nicht entgangen, worauf sie mich dann auch direkt besorgt auf meinen „Sonnenbrand“ angesprochen hat. Naja, „Sonnenbrand“ ist Definitionssache und in einem Land, in dem Frauen ein Vermögen für Weißmacher-Cremes ausgeben, die einem die Haut wegätzen und selbst an bewölkten Tagen nicht ohne Sonnenschirm aus dem Haus gehen, ist eben alles, was dunkler ist, als ein leichenblasser Zombi schon einer.
Japan hat ein Müllproblem! Vor allem ein Verpackungsmüllproblem. Und was macht man dagegen? Müll vermeiden? Könnte man machen, aber das wäre ja zu naheliegend. Nein, man löst das Verpackungsmüllproblem einfach dadurch, dass man den Müll verpackt. Und zwar in stylische Kunst-Mülltüten.
Das der Müll dadurch definitiv nicht weniger, sondern eher mehr wird, muss hier als Kollateralschaden gelten. Zumindestens sehen dann die Müllsammelplätze schöner aus.
So, eine Woche intensiven Trainings des „Akebono Produktionssystems“ liegt hinter mir. Jetzt weiß ich, wie man am schnellsten Lego-Hubschrauber zusammenbaut, dass man in den Produktionshallen immer eine Baseballkappe aufhaben muss und dass man auf gar keinen Fall schon um 11:59 Uhr zur 12:00 Uhr-Mittagspause aufbrechen darf (auch nicht, wenn man seit ca. 11:00 Uhr rein gar nichts mehr zu tun hatte). Außerdem füllt sich mein Gehirn nicht nur sauber, sondern rein gewaschen an, und ich habe meine Prüfung im Fach „Akebono-Sicherheits-Verhaltenskodex“ mit Bravour bestanden. Inklusive „Maschine reparieren“ und „Schleifmaschine bedienen“, obwohl „Frauen das normalerweise nicht machen müssen“.
Als ich gestern nach dem Aufwachen meinen Futon zum Lüften auf den Balkon hängen wollte, bot sich mir ein ganz seltener Ausblick: es schneite in dicken Flocken. Was es wohl auch schon die ganze Nacht getan hat, denn es hatte sich schon eine stattliche Schneedecke von ca. 5 cm angesammelt.
Das das Ganze wohl eher selten ist, hab ich dann heute morgen gemerkt: „Salzstreuen gegen Glatteis“ scheint völlig unbekannt. Stattdessen konnte ich auf dem Weg zum Bahnhof perfekt auf der Straße Schlittschuhlaufen…
Manchmal hab ich den Eindruck, japanische Unternehmen ändern ihre Organisationsstruktur mal eben je nach Laune des Chefs. Und dann war auch noch Neujahr; da muss ja ohnehin alles neu werden…
Aber ein Gutes hat das Ganze ja: ständig wird irgend jemand versetzt. Und dann muss man natürlich Willkommensparties und Abschiedsparties feiern. Damit wir auch noch zum Arbeiten kommen, haben wir letzte Woche gleich mal alle in unsere Abteilung rein- oder aus ihr rausversetzen Kollegen und Chefs gemeinsam gefeiert.